„Viele venezolanische Flüchtlinge in Kolumbien sind emotional sehr geschwächt“

Kolumbien

Gregory Le Blanc, Direktor von HI Kolumbien, spricht über die Situation der venezolanischen Flüchtlinge in Kolumbien und beschreibt den Nothilfeeinsatz von HI.

Gregory Le Blanc, Direktor von HI Kolumbien

Gregory Le Blanc, Direktor von HI Kolumbien | © Juan Manuel Vargas/HI

„Die schwere politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela belastet die Menschen jeden Tag mehr und führt zu verstärkten Fluchtbewegungen in die Nachbarländer. Schätzungsweise 3,4 Millionen Venezolaner sind aus ihrem Land geflohen, insbesondere nach Kolumbien: Dort sind es mehr als zwei Millionen Geflüchtete. Die kolumbianischen Behörden sind von diesem Zustrom und dem Bedarf an Hilfsmassnahmen überwältigt. Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung leiden am meisten unter dieser Situation.

Die Tatsache, dass manche keine Ausweispapiere mehr haben, dass sie keine Aufenthaltserlaubnis besitzen, dass sie die Verfahren zur Anmeldung im Land nicht kennen und sich ihrer Rechte nicht bewusst sind, macht ihren Zugang zur Grundversorgung komplizierter. Hier geht es um die Gesundheitsversorgung, Trinkwasser usw. In den Grossstädten und an wichtigen Sammelpunkten an den Grenzen erhalten die venezolanischen Geflüchteten Hilfe bei der Gesundheitsversorgung und Schutz für besonders geschwächte Menschen. Sie haben jedoch nur schwer Zugang zu psychologischer Unterstützung, die ebenso wichtig ist.

Tatsächlich sind die geflüchteten Menschen sozial und emotional sehr geschwächt. Die Entwurzelung und die Unsicherheit haben schwerwiegende Folgen für ihre psychische Gesundheit. Sie fühlen frustriert, verzweifelt oder haben Angst und können in eine Depression verfallen. HI bietet ihnen psychologische Unterstützung in Medellin und La Guajira (an der Nordgrenze) und bereitet sich auf einen Nothilfeeinsatz in Bogotá und Barranquilla vor. Darüber hinaus unterstützt HI in Medellin Menschen, die Hilfe bei rechtlichen Problemen benötigen (für Ausweisdokumente, zur Legalisierung des Aufenthalts usw.). Die Beratung findet in Zusammenarbeit mit dem Rathaus, der Universität und mit Anwälten statt, die für HI arbeiten. Handicap International setzt ausserdem Teams mit Rehabilitationsfachkräften ein, die Schulungen für Gesundheitsdienste anbieten und bei der Versorgung der Menschen helfen, sei es direkt oder durch Vermittlung an spezialisierte Einrichtungen. Zudem stellt HI Krücken, Gehhilfen und weitere Ausrüstung für die bedürftigen Menschen zur Verfügung.

Angesichts der Bedürfnisse und der anhaltenden humanitären Krise wollen wir ab 2020 auch die berufliche Integration der Venezolaner/-innen in Kolumbien stärken, basierend auf unseren umfangreichen Erfahrungen in diesem Bereich.“

Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Hilfe nach Vulkanausbruch in Goma
© J. De Beaucorps / HI

Hilfe nach Vulkanausbruch in Goma

Nach dem Ausbruch des Nyiragongo-Vulkans in der Nähe von Goma in der Provinz Nord-Kivu, Demokratische Republik Kongo, hilft Handicap International (HI) der vertriebenen Bevölkerung.

Beirut drei Monate danach
© Tom Nicholson/ HI

Beirut drei Monate danach

Die Lage in Beirut ist aufgrund der Explosion im August 2020 weiterhin angespannt.

HI-Mitarbeiterin Zeina berichtet aus Beirut
© HI

HI-Mitarbeiterin Zeina berichtet aus Beirut

Die Libanesin Zeina koordiniert ein Nothilfe-Team von 25 Experten und Expertinnen in Beirut. Die Situation ist schlimmer, als sie es für möglich gehalten hat.