Ausgangssperren verschlimmern Lage für Kinder mit Behinderung

Pakistan

Handicap International kann derzeit viele Projekte in Pakistan nicht mehr umsetzen, da das Land aufgrund der Ausgangsperren stillsteht.

Samina auf dem Spielplatz mit ihren Freunden

Samina auf dem Spielplatz mit ihren Freunden | © HI

Darunter leiden besonders die Kinder mit Behinderung. So wie die siebenjährige Samina, die erst seit kurzem bei einer Kindergruppe mitmachen durfte und Reha-Maßnahmen erhielt. Die Eltern waren so glücklich über die ersten Fortschritte. Doch dann kam das Virus und seitdem muss Samina wieder zuhause bleiben. Das HI-Team verteilt nicht nur Hygiene-Kits, sondern auch Lebensmittel, da viele Familien in den Flüchtlingscamps bitter arm sind und es keine Gelegenheitsjobs mehr gibt.  

Die siebenjährige Samina kann nicht laufen, sich nicht selber die Hände waschen, sich nicht die Haare kämmen und es fällt ihr schwer, Gegenstände in die Hand zu nehmen.

Früher war sie allein zuhause isoliert und hatte kaum Kontakte. Bis HI sie in ihr Kinderprogramm aufnahm. Von da an war Samina jeden Tag draußen, spielte mit anderen Kindern und schloss zum ersten Mal in ihrem Leben Freundschaften. Als sie noch keinen Rollstuhl hatte, trugen ihre Freunde sie sogar auf dem Spielplatz herum, damit sie mitspielen konnte. Darüber hinaus erhielt sie Reha-Maßnahmen im Gesundheitszentrum der Gemeinde. Dort machte das Mädchen drei- bis viermal wöchentlich seine physiotherapeutischen Übungen, die ihm halfen, beweglicher zu werden und die Hände besser einzusetzen.  

Saminas Familie lebt seit neun Jahren in Flüchtlingscamps, nachdem sie vor der bewaffneten Gewalt in ihrer Region geflohen war. Der Vater arbeitet als Tagelöhner. „Wir sind sehr arm“, sagt ihre Mutter. „Wir konnten uns nie eine medizinische Behandlung für Samina leisten. Aber dank des Teams von HI ist sie in letzter Zeit immer stärker geworden." 

Förderung der Kinder gestoppt

Dann kam das Coronavirus und alle speziellen Kinder-Hilfsprogramme von HI in Pakistan mussten gestoppt werden. Nun ist Samina wieder in ihrem Haus eingesperrt und isoliert. Es ist wie vorher, als sie in einer Ecke des Raumes in ihrem Bett lag, ohne Freunde oder Spielsachen, mit denen sie sich beschäftigen konnte. 

„All die Verbesserungen, die wir in den letzten Monaten an ihrem körperlichen und mentalen Zustand beobachtet haben, drohen wieder verloren zu gehen“, erklärt Sumaira Bibi von HI, Betreuerin des Mädchens. „Samina war nach jeder Aktivität im Freien sehr glücklich und wir haben bei ihr deutlich sichtbare Fortschritte in der geistigen Entwicklung festgestellt. Kinder müssen mit Kindern interagieren und spielen. Auch durch das Greifen von Spielzeug konnte sie sich besser bewegen und ihre Hände und Finger besser benutzen. Solche Aktivitäten sind für ihr Wohlbefinden und ihr Wachstum essentiell. Außerdem sollte Samina ihre Reha-Übungen fortsetzen, damit ihre Beweglichkeit nicht völlig verloren geht“.


Obwohl unsere Teams während der Ausgangssperre in der Gemeinde nicht in der Lage sind, die Aktivitäten mit allen Kindern fortzusetzen, suchen sie nach Möglichkeiten, weiterhin Unterstützung zu leisten. „Wir haben den Kontakt zu ihrer Mutter aufrechterhalten, um sicherzugehen, dass sie regelmäßig mit Samina zu Hause ihre Übungen macht. Es ist wichtig, dass ihre Mobilität erhalten bleibt. Außerdem klären wir Saminas Familie über Präventions- und Hygienemaßnahmen auf, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dabei halten wir den Sicherheitsabstand ein. Die Familie wird darüber hinaus Hygieneartikel und Lebensmittel erhalten“, erklärt Sumaira. 

Finanzielle Schwierigkeiten in der globalen Gesundheitskrise

Saminas Vater konnte aufgrund der Ausgangssperren in den letzten drei Wochen nicht mehr arbeiten. So hat die Familie sehr wenig zu essen. Wie viele Eltern finden es auch Saminas Mutter und Vater sehr schwierig, ihre Kinder in dieser globalen Gesundheitskrise so frustriert, traurig und hilflos zu sehen. 

Saminas Eltern hoffen, dass sich die derzeitige Lage schnell verbessert, sodass sie sich wieder mit der Kindergruppe treffen kann. Das macht dem Mädchen nicht nur Spaß, sondern ist auch die beste Therapie für eine gesunde Entwicklung.

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